Ed Ruscha

Globale Einflüsse

Deine eigene Stimme als Fotograf und Filmemacher finden 

Als Fotografen und Filmemacher setzen wir uns oft mit dem Thema Einfluss auseinander. Wer prägt unsere Sicht auf die Welt? Was bestimmt unsere ästhetischen Entscheidungen? Und letztendlich: Wie finden wir die Balance zwischen dem Lernen von anderen und der Entwicklung einer ganz eigenen Stimme?

Was bedeutet es, beeinflusst zu werden? 

Einfluss ist im Kern ein natürlicher und oft unbewusster Teil des kreativen Prozesses. Von den ersten Momenten unserer künstlerischen Reise an werden wir durch die Bilder, die wir konsumieren, die Mentoren, die wir bewundern, und die gesellschaftlichen Kontexte, in denen wir leben, geprägt. Beeinflusst zu werden ist weder grundsätzlich gut noch schlecht – aber es ist eine Kraft, der wir uns bewusst sein müssen.  

Anfangs äußert sich Einfluss oft in Form von Nachahmung. Du studierst vielleicht die Werke von Meistern wie Ansel Adams für Landschaftsfotografie oder Gordon Parks für erzählerische Fotografie. Als Filmemacher schaust du vielleicht auf Wes Anderson für Komposition oder Christopher Nolan für komplexe Erzählstrukturen. In dieser Phase ist das Kopieren nicht nur normal – es ist notwendig. So lernen wir die Regeln, bevor wir sie brechen.  

Doch Einfluss kommt nicht nur von den „Großen“. Er ist auch tief in unserer Kultur verankert. Trends in sozialen Medien, virale Videos und der Druck, das zu produzieren, was sich gut verkauft, können unseren kreativen Kompass beeinflussen. Sich dieser Einflüsse bewusst zu werden, ist der erste Schritt, um ihre Rolle in der eigenen künstlerischen Entwicklung zu verstehen.  

Wann ist es Zeit, sich davon zu lösen?  

Jeder Künstler erreicht irgendwann den Punkt, an dem bloße Nachahmung nicht mehr ausreicht. Vielleicht merkst du, dass deine Arbeit sich zu sehr nach einem Abklatsch anfühlt, oder du spürst, dass deine kreative Seele nach etwas Persönlicherem verlangt. Das ist der Moment, in dem du beginnst, deinen eigenen Stil zu entwickeln.  

Eine einzigartige Stimme zu finden, passiert nicht über Nacht. Es erfordert Experimentieren, Scheitern und vor allem Geduld. Erlaube dir, Neues auszuprobieren. Vermische Elemente deiner Einflüsse mit eigenen Ideen. Kombiniere Techniken auf unkonventionelle Weise. In diesem chaotischen, unperfekten Prozess beginnt sich dein Stil herauszubilden.  

Die Herausforderungen, einen eigenen Stil zu entwickeln  

Sich von äußeren Einflüssen zu lösen und einen eigenen Weg einzuschlagen, bringt Herausforderungen mit sich. Eine der größten Hürden ist Selbstzweifel. Wenn du aus dem Schatten etablierter Künstler heraustrittst, fragst du dich vielleicht, ob deine Arbeit „gut genug“ ist. Das ist völlig normal. Wachstum fühlt sich oft unangenehm an.  

Eine weitere Herausforderung ist der Sog der Trends. In einer Welt, die von Likes, Shares und Algorithmen bestimmt wird, ist es verlockend, nur das zu produzieren, was gerade populär ist. Es spricht nichts dagegen, Trends zu kennen – aber eine langfristig bedeutungsvolle Arbeit erfordert Authentizität. Frage dich: „Erstelle ich das, weil es mich wirklich bewegt, oder weil ich glaube, dass es andere sehen wollen?“  

Die Rolle des Einflusses in deiner einzigartigen Stimme  

Ironischerweise verschwinden die Einflüsse, mit denen du begonnen hast, nie ganz. Stattdessen werden sie Teil des Fundaments deiner Arbeit. Der Schlüssel ist, diese Einflüsse in etwas Persönliches zu verwandeln.  

Wenn du beispielsweise die Minimalistik moderner Architektur bewunderst, kannst du sie als Ausgangspunkt nutzen, um deine eigenen Ideen über Raum und Licht zu erforschen. Falls dich die kräftigen Farben der Reisefotografie faszinieren, finde Wege, diese Farben mit den Emotionen oder Geschichten zu verbinden, die dir am Herzen liegen.  

Einfluss muss kein Käfig sein. Er kann ein Sprungbrett sein.  

Bern Hilla Becher
Bernd Hilla Becher

Ratschläge für aufstrebende Künstler  

– Nutze Einfluss als Lernwerkzeug:** Am Anfang solltest du keine Angst davor haben, zu kopieren. Es hilft dir, technische und konzeptionelle Fähigkeiten zu meistern.  

– Reflektiere, was dich wirklich bewegt:** Achte darauf, welche Aspekte der Arbeit anderer dich besonders ansprechen – sei es die Farbgebung, die Erzählweise oder die Komposition. Das hilft dir, deine eigenen Vorlieben zu erkennen.  

– Experimentiere ohne Grenzen:** Probiere neue Techniken aus, auch wenn sie sich ungewohnt anfühlen. Je mehr du ausprobierst, desto näher kommst du deinem einzigartigen Stil.  

– Bleib dir selbst treu:** Trends kommen und gehen, aber Authentizität bleibt bestehen. Konzentriere dich darauf, Arbeiten zu schaffen, die dir wirklich etwas bedeuten – nicht darauf, externe Bestätigung zu suchen.  

– Vertraue dem Prozess:** Es dauert, seine eigene Stimme zu finden. Lass dir Zeit. Jedes Bild, jedes Projekt, jedes Scheitern bringt dich dem Künstler näher, der du sein sollst.  

Die Schönheit des Einflusses 

Am Ende ist Einfluss keine Kraft, vor der man sich fürchten muss, sondern ein Werkzeug, das man bewusst nutzen kann. Er ist der Ausgangspunkt, nicht das Ziel. Indem du die Rolle des Einflusses auf deiner Reise anerkennst und aktiv mit ihm arbeitest, kannst du Werke schaffen, die nicht nur inspiriert, sondern auch inspirierend sind.  

Als Künstler ist unser ultimatives Ziel nicht, die Welt einfach nur nachzuahmen – sondern etwas Neues hinzuzufügen. Etwas, das nur wir erschaffen können.